Druckgrafik und Auflagen
Ein Originaldruck ist ein Kunstwerk in mehreren Abzügen. Ob Ihrer viel wert ist, hängt von Technik, Signatur, Auflage ab – und davon, wann er gedruckt wurde.
Eine Originalgrafik entsteht von einem Druckträger – Stein, Platte, Sieb oder Holzstock –, den der Künstler für den Druck geschaffen oder überwacht hat. Jeder Abzug ist ein Original, aber es gibt viele davon. Das ist der entscheidende Unterschied zu Gemälde und Zeichnung.
Für den Wert entscheiden drei Fragen fast alles: Ist es eine Originalgrafik oder eine fotomechanische Reproduktion? Ist sie von Hand signiert und nummeriert? Und wurde sie in der vom Künstler vorgesehenen Auflage gedruckt – oder später, von abgenutzten, nachgeschnittenen oder wiederverwendeten Stöcken und Platten?
Welche Arten von Druckgrafik gibt es?
Lithografien
Gedruckt von Stein oder Platte nach dem Prinzip, dass sich Fett und Wasser abstoßen – körniger, kreideähnlicher Eindruck. Beliebt bei Miró, Chagall und Picasso.
Siebdrucke (Serigrafien)
Farbe wird durch ein feines Sieb gedrückt – flächige, intensive Farben. Typisch für Pop-Art und Street Art.
Radierungen und Aquatinten
Linien und Töne mit Säure in eine Metallplatte geätzt; der Plattenrand hinterlässt einen sichtbaren Plattenabdruck im Papier.
Holzschnitte und Farbholzschnitte
Gedruckt von geschnitzten Holzstöcken – darunter japanische Ukiyo-e und Shin-hanga, von Hand von mehreren Stöcken gedruckt.
Kupferstiche
Linien direkt mit dem Grabstichel ins Metall geschnitten – verbreitet bei Altmeistergrafik.
Spätere Abzüge und Nachdrucke
Von den Originalstöcken oder -platten nach der Erstauflage gedruckt, manchmal lange nach dem Tod des Künstlers.
Was den Wert bestimmt
- Handsignatur: Eine Bleistiftsignatur des Künstlers steigert den Wert meist erheblich; eine im Druck enthaltene Signatur nicht.
- Auflage und Nummerierung: Kleinere Auflagen sind seltener; Nummern wie 25/100 zeigen die Auflagenhöhe. Probedrucke (E.A., H.C.) gehören dazu.
- Abzug: Frühe Abzüge sind schärfer und farbiger als späte von abgenutzten Stöcken oder Platten.
- Zustand und Ränder: Verblassen, Flecken, beschnittene Ränder und Knicke mindern den Wert deutlich.
So prüfen Sie, was Sie haben
- Lupe: Regelmäßige Punktreihen deuten auf eine Offset-Reproduktion hin, nicht auf eine Originalgrafik.
- Plattenrand und Relief: Radierungen zeigen einen eingepressten Plattenrand; Holzschnitte die Maserung und Prägung des Stocks.
- Signatur und Nummer: Sollten mit Bleistift, von Hand und passend zur bekannten Auflage sein.
- Verleger und Drucker: Trockenstempel, Verlegersiegel und Werkverzeichnisnummern helfen, die Auflage zu bestimmen.
Druckgrafik bei den Künstlern unserer Ratgeber
Wie diese Werkart im Markt einzelner Künstler aussieht – mit Links zu den vollständigen Profilen, Auktionsrekorden und Echtheitsprüfungen.
Keith Haring
Siebdrucke und Lithografien: Auflagendrucke wie die Pop-Shop-Serie. Signierte und nummerierte Blätter sind der Einstieg in den Markt.
Joan Miró
Lithografien: Tausende Auflagen, viele bei Mourlot gedruckt. Handsignierte, nummerierte Blätter sind weit mehr wert als unsignierte.
Radierungen und Aquatinten: Oft groß und farbstark; einige signierte Radierungen erzielten Zehntausende Dollar.
Niki de Saint Phalle
Siebdrucke und Lithografien: Farbige Drucke, oft mit handschriftlichen Texten – signierte und nummerierte Auflagen.
André Saraiva
Drucke: Siebdrucke und andere Auflagen, meist signiert und nummeriert.
Katsushika Hokusai
Farbholzschnitte: Entwürfe, die von professionellen Schneidern geschnitten und von Hand von mehreren Stöcken gedruckt wurden – Fuji-Serie, Wasserfälle, Brücken.
Spätere Abzüge: Von abgenutzten oder nachgeschnittenen Stöcken nach den ersten Auflagen gedruckt, oft mit schwächeren Farben.
Utagawa Hiroshige
Landschaftsserien: Tōkaidō, Kisokaidō, Ansichten von Edo – sein Hauptwerk, meist im hohen oder breiten Ōban-Format.
Blumen und Vögel: Poetische Naturstudien, oft in schmalen Formaten.
Triptychen: Drei Blätter, die eine breite Ansicht bilden.
Spätere Abzüge: Nach den ersten Auflagen gedruckt, mit veränderten Farben oder abgenutzten Stöcken.
Kawase Hasui
Abzüge zu Lebzeiten (Taishō und frühe Shōwa-Zeit): Zu Hasuis Lebzeiten gedruckt, vor allem 1918 bis in die 1930er – am gesuchtesten.
Spätere Abzüge zu Lebzeiten: Nachdrucke von denselben Stöcken zu Lebzeiten, oft mit anderen Siegeln.
Postume Auflagen: Nach 1957 von originalen oder nachgeschnittenen Stöcken gedruckt – gesammelt, aber günstiger.
Kleine Formate: Einige Motive erschienen auch in kleineren Größen; diese erzielen meist weniger.
Giovanni Battista Piranesi
Radierungen, Abzüge zu Lebzeiten: Zu Piranesis Lebzeiten in Rom gedruckt – am gesuchtesten, vor allem erste Zustände.
Pariser Ausgaben: Nach 1799 von denselben Platten gedruckt, zuerst von Francesco Piranesi, dann von späteren Verlegern.
Nachdrucke der Calcografia: Abzüge des 20. Jahrhunderts von den originalen Kupferplatten in Rom – echte Platten, aber späte Abzüge.
Frank Lloyd Wright
Tafeln der Wasmuth-Mappe (1910): Lithografien auf dünnem Papier, ursprünglich mit Seidenpapier – das häufigste Original von Wright auf Papier.
Fragen
Ist eine signierte Grafik mehr wert als eine unsignierte?
Meist ja, oft ein Mehrfaches – sofern die Signatur von Hand und echt ist.
Was ist der Unterschied zwischen Grafik und Poster?
Eine Originalgrafik entsteht von einem eigens geschaffenen Druckträger; ein Poster oder Offsetdruck ist eine fotomechanische Kopie – meist ohne Sammlerwert.
Was bedeutet «späterer Abzug»?
Ein Druck nach der Erstauflage, oft von abgenutzten oder nachgeschnittenen Stöcken. Er kann echt und gesammelt sein, erzielt aber meist deutlich weniger.
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Dieser Ratgeber erklärt allgemeine Marktregeln. Er ist kein Gutachten; der Wert eines bestimmten Werks hängt von Künstler, Zustand und Herkunft ab.